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Das Jubiläum im Spiegel der Presse:
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MAZ vom 21./22.08.99, S.16 (Ruppiner Tageblatt):

Chronik einer Hundertjährigen

Bahnhofsfest in Rheinsberg

RHEINSBERG. Die Eisenbahnstrecke Löwenberg-Rheinsberg feiert in diesem Jahr ihr 100-jähriges Bestehen. Ein Bahnhofsfest am 4. und 5. September wird an das Ereignis erinnern. im ehemaligen Lokschuppen wird altes und weniger altes Eisenbahninventar ausgestellt. Auf dem Güterboden, wo früher die Gepäckstücke aufbewahrt wurden, wird die Chronik gezeigt.

Kundendienst. "Kommt denn der andere Zug noch nicht bald, damit ich weiterfahren kann?" "Das ist sehr unbestimmt, verehrtes Fräulein. So nette, regelmäßige Züge, wie Sie sie besitzen, haben wir bei unserer Sekundärbahn natürlich nicht." (aus dem Jahre 1903)
Verzeihliche Frage. Kontrolleur (nachdem er die Billette revidiert hat): "Sitzt hier nicht noch jemand dazwischen?" (aus dem Jahre 1908)
Recht tröstlich: "Kommt denn der Zug immer noch nicht?" – "Beruhigen Sie sich: Ihre Karte hat ja 45 Tage Gültigkeit!" (aus dem Jahre 1907)

Die Geschichte hat Eisenbahnfreund Holger Pfeifer erarbeitet. Der 18. Mai 1899 wird als Tag angegeben, an dem Rheinsberg seinen Eisenbahnanschluss erhielt. Bereits am 1. Februar vor 100 Jahren war der erste fahrplanmäßige Zug der Kremmen-Neuruppin-Wittstocker Eisenbahn gefahren. Der erste fahrplanmäßige Zug zwischen Löwenberg und Lindow war bereits am 11. August 1896 auf den Schienen.

Neben der Chronik sollen an diesem Tag auch noch mehr Dokumente gezeigt werden. Der Heimatverein und der Eisenbahnverein rufen deshalb die Rheinsberger auf, in ihren Fotoalben und -schachteln zu kramen. "Wer hat unter seinen alten Familienfotos noch Abbildungen, die auf und beim Bahnhof entstanden sind? Wer hat vielleicht fotografiert, als in den 80er-Jahren Tucholskys Rheinsberg-Geschichte verfilmt wurde?", fragt Volkmar Hilbert vom Eisenbahnverein. Damals entstand ein Fernsehfilm.

Die Bilder gehen nach der öffentlichen Schau an die Besitzer zurück. Wer etwas beisteuern kann, sollte sich an den Vereinsvorsitzenden Volkmar Hilbert (Telefon Rheinsberg 37804) wenden.

Der 4. und 5. September sind die Tage, an denen sich der seit zwei Jahren arbeitende Verein mit seiner Arbeit in der Öffentlichkeit zeigt.

ms

Märker, Sonnabend/Sonntag, 28./29. August 1999

Rheinsberg:
100 Jahre Bahnhof Rheinsberg

"Bahnhofs-Fest": Belgische Gäste stellen sich vor

Tucholskys Liebespaar Claire und Wölfchen, zwar nicht mehr das echte, dafür aber ein sich genauso liebendes junges Paar aus Rheinsberg, wird am 4. September in Berlin den Zug besteigen und in die rnärkische Kleinstadt fahren. Diesmal allerdings ohne der schneuzenden Bauersfrau zuzuschauen und ohne umzusteigen. Neben dem "Leierkasten-Hans" und einigen historischen Begleitern werden sicher noch viele Berliner mit ihnen kommen. Sie alle haben als Ziel das "Bahnhof-Fest" in Rheinsberg.

Nach Ankunft der traditionellen Schnellzug-Lokomotive der Baureihe "52" der "Berliner Dampflok-Freunde" erwartet die Besucher aus Anlass "100 Jahre Eisenbahn-Strecke Löwenberg-Rheinsberg" ein interessantes Programm.

So kann auf dem Führerstand der Lok mitgefahren werden, Fahrten mit der "Prignitzer Triebwagen-Bahn" zum Stechlinsee-Bahhof und mit der Draisine finden statt, Schienenfahrzeuge und Modelle werden zu sehen sein.

Eisenbahner aus Rheinsberg haben eine kleine Ausstellung über die Entwicklung der Bahn in Rheinsberg erstellt. Nachzulesen ist diese auch in einer anlässlich des Jubiläums erschienenen Chronik erhältlich. Typische Info- und Souvenier-Stände sowie ein kulturelles Rahmenprogramm ergänzen das Angebot.

Zu den Teilnehmern werden auch Mitarbeiter der "Vennbahn" Raeren gehören. Seit mehreren Jahren bestehen zwischen der belgischen Kleinstadt und Rheinsberg freundschaftliche Kontakte, da beide Städte< über viel Gemeinsamkeiten verfügen. Zum Beispiel befindet sich in der Burg Raeren ein Keramikmuseum. Allerdings ist dort die Tradition der Keramikherstellung "etwas älter". Bereits im 15./16. Jahrhundert lebten große Teile der Raerener Bevölkerung von diesem Kunsthandwerk. Ähnlich wie in Rheinsberg findet in dem belgischen Städtchen einmal im Jahr ein Töpfermarkt mit ausgezeichneten Keramiken aus Belgien, den Niederlanden und Deutschland statt.

Seit 1990 fährt eine historische Eisenbahn, als touristisehe Sehenswürdigkeit mit alten Dampf- und Diesel-Lokomotiven. In Rheinsberg werden die Raerener Eisenbahnidealisten natürlich mit "ihrer" "Vennbahn" aber auch mit der landschaftlichen Schönheit des Hohen Venn, in einem Infomobil werben. Das Rheinsberger "Bahnhofs-Fest" findet am 4. und 5. September 1999 jeweils von 10.30 bis 18 Uhr statt.

Heinz Karwath

Die zwischen Eupen, Raeren und Büllingen verkehrende Vennbahn ist eine echte Touristenattraktion. in der belgischen Stadt Raeren gibt es einen Verein, der zu den Rheinsberger Eisenbahnfreunden seit Jahren Kontakt hält. Zum 100-jährigen Bahnhofsjubiläum am kommenden Wochenende wird eine kleine Delegation mit dem Sekretär des Vereins Norbert Gilles erwartet.

FOTO: VEREIN VENNBAHN

 

MAZ vom 29./30.08.1999:

Gäste aus Belgien werden erwartet

Norbert Gilles ist Exot im Rheinsberger Eisenbahnverein

RHEINSBERG. Die Vorbereitungen für das Rheinsberger Bahnhofsfest am 4. und 5. September laufen auf Hochtouren. "Neben den zahlreichen Touristen, die an den beiden Tagen in Rheinsberg erwartet werden, kann der Verein der Rheinsberger Eisenbahilfreunde auch Gäste aus Belgien begrüßen", berichtet Heinz Karwath vom Verkehrsverein. Es sind drei Mitglieder des Vereins der Vennbahn, die nach Rheinsberg kommen.

Heinz Karwath, der sich neben Volkmar Hilbert vom Verein der Rheinsberger Eisenbahnfreunde um die die Organisaion des Spektakels aus Anlass es 100-jährigen Bestehens er Bahnstrecke Löwenberg-Rheinsberg kümmert, hat den Besuch eingefädelt. Seit Jahen hält der Rheinsberger Tourismusfachmann den Kontakt zu den belgischen Eisenbahnfreunden. Einmal war er bereits selbst dort und hat sich in der Stadt umgesehen.

"Zwischen der belgischen Kleinstadt Raeren und Rheinsberg bestehen seit mehreren Jahren freundschaftliche Kontakte", weiß Karwath zu berichten. Beide Orte haben viele Gemeinsamkeiten. Als Beispiele nennt Karwath das belgische Keramikmuseum, das sich in der Burg Raeren befindet, und die Keramikindustrie.

Sie ist sogar älter als die in Rheinsberg, wo seit 1762 Fayencen hergestellt werden. Bereits im 15. und 16. Jahrhundert lebten große Teile der Raerener Bevölkerung von diesem Handwerkszweig. Ähnlich wie in Rheinsberg findet dort jährlich ein Töpfermarkt mit Kunstkeramikern aus Belgien, den Niederlanden und Deutschland statt.

Es gab sogar den Versuch, eine Städtepartnerschaft zwischen beiden Orten ins Leben zu rufen. "Allerdings scheiterte es daran, dass die Rheinsberger bereits fünf Partnerstädte hatten", erklärte Karwath.

Seit 1990 gibt es in Raeren eine historische Eisenbahn. Es ist eine touristische Attraktion mit alten Dampf- und Diesellokomotiven, die Vennbahn. In Rheinsberg werden die Raerener Eisenbahn-Idealisten mit einem info-Mobil über ihre Vennbahn berichten und für die landschaftliche Schönheit des Hohen Venn, einem Höhenzug, werben. Mit Norbert Gilles ist sogar ein Raerener Mitglied im Rheinsberger Eisenbahnverein.

jr

MAZ 01.09.99 S.18 (Ruppiner Tageblatt):

CLICK! Bild groß: 32 KB; Ladezeiten beachten! Zum Bahnhofsfest aus Anlass des 100-jährigen Bestehens der Bahnstrecke Löwenberg-Rheinsberg wird am kommenden Wochenende auch die Dampflok der Baureihe 52 in die Rhinstadt kommen. Dabei werden Fahrten auf dem Führerstand der im vergangenen Jahr komplett überholten Lok angeboten.

FOTO: HEIMATVEREIN

Zweitägiges Bahnhofsfest

Claire und Wölfchen sind am Sonnabend mit von der Partie

Zeitplan
einiger Veranstaltungen

Sa/So: 10:30
Bahnhof, Konzert der Blaskapelle Rheinsberg

Sa: 10:41
Ankunft des Dampfzuges aus Berlin

Sa: 14:30
St. Laurentius (Kirche), Konzert des Männergesangvereins Herbern

Sa: 19:30
Spiegelsaal des Schlosses, Konzert der Musikakademie Rheinsberg

Sa/So: bis 18:00
Bahnhof, abwechslungsreiches Programm
(siehe nebenstehenden Text)

RHEINSBERG. Tucholskys Liebespaar Claire und Wölfchen sowie der Leierkasten-Hans werden am 4. September mit von der Partie sein, wenn sich in Berlin der Dampflokzug in Richtung Rheinsberg in Bewegung setzt. Nachdem auf dem 100-jährigen Jubiläumsbahnhof gegen 10.41 Uhr die Dampflok der Baureihe 52 eingetroffen ist, erwartet die Besucher sowohl am Sonnabend als auch am Sonntag bis 18 Uhr ein abwechslungsreiches Programm.

Unter anderem ist ein Blick auf den Führerstand der Schnellzuglokomotive erlaubt und selbst einige Meter mitzufahren soll möglich sein. Außerdem gibt es Fahrten mit einer Draisine sowie mit der "Prignitzer Triebwagenbahn" von Rheinsberg aus zum Bahnhof Stechlinsee. Im ehemaligen Lokschuppen zeigt der Verein der Rheinsberger Eisenbahnfreunde seine Schätze. Es werden alte Eisenbahntechnik, Schienenfahrzeuge und verschiedene Modelle zu besichtigen sein.

Vom Verein der Eisenbahner wurde eine kleine Ausstellung über die Entwicklung der Bahn in Rheinsberg erstellt. Und wer sich noch ausführlicher informieren möchte, dem sei die aus Anlass des 100-jährigen Bestehens der Strecke Löwenberg-Rheinsberg an diesem Tag erschienene Chronik empfohlen. Nach teilweiser Bahnhofsrenovierung wird der Heimatverein "Rheinsberger Seenkette" mit den Gästen aus dem belgischen Raeren auch seinen "Tourismus-Bahnhof" eröffnen.

Jeweils um 10.30 Uhr gibt es ein Konzert mit der Blaskapelle Rheinsberg. Außerdem gibt es am Sonnabend um 14.30 Uhr in der Kirche ein Konzert mnit dem Männergesangsverein Herbern sowie um 19.30 Uhr ein Konzert der Musikakademie im Spiegelsaal. Händler bieten eisenbahntypische Gegenstände und Modellbahnzubehör an und für die Jüngsten gibt es Ponyreiten, Kinderspiele, Schminken und Bastelstände. Selbstverständlich ist auch an das leibliche Wohl der Besucher gedacht, und man kann sich über die Eisenbahn informieren.


Märkische Allgemein, 06.09.1999, S.17 (Ruppiner Tageblatt):

Fauchende Lok und Fans von der Vennbahn

Rheinsberg feierte am Wochenende 100 Jahre Eisenbahn mit Dampflok, Schienenbus und Draisine

KLICK! Eingangssound wiederholen (WAV-Datei, 68 KB)

Die Dampflok der Baureihe 52 von den Berliner Dampflokfreunden kam zum 100jährigen Bahnhofsjubiläum wieder einmal nach Rheinsberg. Bei herrlichem Wetter feierten dort viele hundert Eisenbahnfans von nah und fern das Bahnhofsfest.

Foto: Henry Mundt

 

RHEINSBERG. Fotos können dieses Erlebnis nicht wiedergeben: Schon Minuten vorher ist ein langgezogenes Heulen zu hören, dort hinten aus dem Wald. Irgendwo zwischen den Bäumen ist sie, und sie kommt näher. Die Schienen knistern. Noch immer ist nichts zu sehen. Dann steigt schwarzer Rauch auf. Da kommt sie, donnert schnaufend vorbei, eine schwarze Rußfahne hinter sich herschleppend.

Mit Damptloks ist es, als ob sie leben: Sie schnauben und spucken, pfeifen, zischen und fauchen. Für den Heizer Gerd Renner von den Berliner Dampflokfreunden e.V. (werktags fährt er Dieselloks im Güterverkehr) ist die Dampflok der Baureihe 52 mit ihren 1600 PS vor allem ein Kraftwerk. Anders als Dieselloks entfaltet die Dampfmaschine ihre Kraft gleichmäßig. "Sie lebt", sagt Renner, "aber nicht von allein." Dampflokfahren mache Spaß, weil es Teamarbeit ist. In modernen Loks ist man im Führerstand allein.

Um den 400 Tonnen wiegenden Zug am Sonnabend und Sonntag mit bis zu 80 Kilometern pro Stunde die 96 Kilometer von Berlin-Lichtenberg zum Bahnhofsfest nach Rheinsberg und wieder zurück zu ziehen, haben der Lokführer Matthias Holm und sein Heizer Gerd Renner in ihrer "Kriegslok" (Baujahr 1944) fünf Tonnen Kohle verbrannt und 30 000 Liter Wasser verdampft. Mit an Bord waren zum 100-jährigen Bestehen der Bahnlinie Löwenberg-Rheinsberg auch Tucholskys "Claire und Wölfchen" - dargestellt von Schauspielern.

Von einer echten Claire wurden die Eisenbahnfans aus Belgien nach Rheinsberg chauffiert, wie Norbert Gilles von der Vennbahn aus Raeren betont. Schon zu DDR-Zeiten seien die Belgiendeutschen durch den Kulturaustausch in Zechlinerhütte gewesen.

Die hartgesottenen Eisenbahnfans mussten allerdings auf der Straße anreisen. Für die Streckenbenutzung mit ihrer Lok hätte die Bahn AG "eine Summe mit zu vielen Nullen" verlangt, bedauert Gilles. Den Bus samt den Chauffeuren Claire und Josef bekamen die Belgier dagegen gesponsert.

Bei schönstem Wetter war das Fest gut besucht, ohne dass sich die Leute drängeln mussten. Eine entspannte und freundliche Atmosphäre lag über dem Bahnhofsgelände.

Bald konnten Besucher die Züge mit bloßem Ohr unterscheiden: Das heulende Pfeifen der Dampflok, das -Hupen der Triebwagen nach Berlin und das Piepsen der Uerdinger Schienenbusse. Die blauen Triebwagen der Prignitzer Eisenbahngesellschaft waren selten so voll wie an diesem Wochenende, als sie auf der ehemaligen Kernkraftwerks-Linie dreimal täglich zum Stechlinsee pendelten.

Eintritt kostete beim Bahnhofsfest nur die historische Ausstellung mit alten Fotos und Zeitungsartikeln zur Geschichte der Eisenbahnstrecke. Sie führte zwischen 1928 und 1945 sogar bis Flecken Zechlin. Allein bis Sonnabend, 16 Uhr, konnte der Heimatverein Rheinsberg 600 Eintrittskarten verkaufen. Auch eine Chronik konnte man erwerben.

Eine besondere Attraktion hatte der Rheinsberger Diplom-Ingenieur Dietger Spielhagen zum Bahnhofsfest auf ein Nebengleis gesetzt: Eine selbst gebaute Draisine, die nicht mit Pedalen, sondern mit Armen und Beinen in Rennruder-Manier bewegt wird. 30 000 Mark hat der Tüftler allein fürs Material in den Prototypen gesteckt, um den Sechssitzer irgenwann mal an die Bahn zu verkaufen. Mit dem Rollgeräusch eines richtigen Eisenbahnwagens und bis zu 60 Stundenkilometem rollt das Gefährt ohne große Anstrengung über die Schienen. Auf der kurzen 400-Meter-Strecke in Rheinsberg brachte Spielhagen es aber nur auf Tempo 40. Auf ein Rennen mit dem VT 928-Triebwagen auf dem Nebengleis hätte Spielhagen es schon gern einmal ankommen lassen. Doch die Startvorbereitungen der Draisine dauerten zu lange. Der feige Triebwagen wartete nicht.

Während viele Berliner abends mit dem Dampfzug heimfuhren, stiegen die Neuruppiner wieder in ihre Autos. Denn vor eine vernünftige Eisenbahn-Verbindung in die Kreisstadt hat die Bahn AG umständliches Umsteigen in Herzberg und den Schienenersatzverkehr gesetzt.

CHRISTIAN KRANZ

 

© Schulnetz Rheinsberg 1999
Text-Quellen: ms, Heinz Karwath, Jürgen Rammelt, Heimatverein;
Bild-Quellen: 5x unbekannt, 1x Verein Vennbahn, 1x Heimatverein
Erstellt: 01.09.99, ergänzt: 06.09.99, überarbeitet: 11.11.2001