Märkische Allgemeine vom 06.06.2000, S.3:
![]() |
|
Mathias Lillge in Aktion. Gestern (05.06.) startete der 39jährige Extremsportler zu seinem Weltrekordversuch. Nach einem Foto von: MÜLLER |
Neuer Weltrekord-Versuch
auf Rollen
Mathias Lillge startete
zum 1000-Meilen-Inline-Skaten
BAD FREIENWALDE. Mathias Lillge kann es einfach nicht lassen. Auf den acht Rollen seiner Inline-Skates begibt sich der 39-jährige Extremsportler erneut auf Weltrekordjagd. Unter den Augen zahlreicher Schaulustiger fiel gestern Nachmittag in einem Bad Freienwalder Gewerbegebiet der Startschuss für die 1000-Meilen-Strecke, die Lillge bis zum Pfingstsonntag bewältigt haben will.
Zuzutrauen ist es dem studierten Anlagenbauer auf jeden Fall, hat er doch im vergangenen Jahr bereits 1000 Kilometer auf seiner "Hausbahn" rollend zurückgelegt und steht damit nun im Guinness-Buch der Rekorde.
Diese sportliche Herausforderung muss doch noch zu toppen sein, dachte sich der ehrgeizige 39-jährige, der sich seit zehn Jahren dem Ausdauersport verschrieben hat, Skilanglauf, und Triathlon betreibt.
1609 Kilometer sind nunmehr rollend zu schaffen, 1277 Runden muss er dafür auf der Asphaltbahn des Gewerbegebietes drehen, "Das ist ungefähr die Strecke von Berlin nach Sizilien", schmunzelt der Bad Freienwalder abenteuerlustig noch vor dem Start.
140 bis 150 Stunden, so schätzt der inzwischen Langstrecken erfahrene Inline-Skater, wird er für die 1000 Meilen brauchen, vier Minuten und 15 Sekunden je Runde. Im Gegensatz zum Vorjahr, als Lillge knapp 90 Stunden nahezu am Stück auf seinem "Parcour" unterwegs war, will er sich diesmal zumindest zweieinhalb Stunden Schlaf pro Tag gönnen.
Trotz dieser Erleichterung kann mancher Zuschauer am Rande der von Autohäusern und Handwerksbetrieben gesäumten Asphaltbahn nur den Kopf schütteln. "Wer sich so was freiwillig auferlegt, muss verrückt sein", murmelt so mancher.
"Klar", versichert der Extremsportler, den jedoch vor allem die neue Herausforderung lockte, seine eigenen Leistungsgrenzen im Kampf gegen sich selbst zu überschreiten.
Gestoppt wird alle 14 Runden zum Socken- und Skate-Wechseln sowie für die Verpflegung. "Das Wichtigste sind saubere und trockene Füße, sonst holt man sich schnell Blasen und ist gehandicapt", so Lillges Erfahrungen aus dem vergangenen Jahr.
Die hoffentlich "reibungslose" Rekordjagd wird erneut von einem Helfer-Team überwacht, das beim "Boxenstopp" Puls und Herz überprüft oder eventuelle Krämpfe wegmassiert und Lillge bei Materialwechsel und Imbiss fachgerecht zur Hand geht. Die nach einer exakten Energietabelle zusammengestellte Verpflegung besteht vor allem aus kohlenhydrathaltiger Nahrung: Bananen, Energieriegel und isotonische Getränke gehören zur Speisenkarte.
Der Bad Freienwalder hofft auch in den nächsten Tagen auf viele Schaulustige, die ihm die sicher auch eintönige Rollerei ums Asphalt-Karree verkürzen. Freuen würde er sich ebenfalls um skatende Mitstreiter, die zumindest ein paar Runden gemeinsam mit ihm drehen.
Lillges Ehefrau Cordula wird in diesem Jahr nicht am Parcour stehen, um ihren Mann leidenschaftlich anzufeuern. Sie ist im neunten Monat schwanger. Ende des Monats ist es soweit, dann soll der Dauer-Skater zum dritten Mal Vater werden. Für ihn dann auch ein Grund, mit den extremen Aktivitäten aufzuhören.
"Familie hat Vorrang" so der 39-Jährige, der mit seiner Weltrekordjagd auch Werbung betreibt, um in nächster Zeit ein großes Inline-Skater Rennen nach Bad Freienwalde zu holen.
JEANETTE BEDERKE
AG Schulnetz Junior