Die Berliner pausieren in diesem Jahr. Sie wollen dem Gesetzgeber Zeit lassen, endlich "Nägel mit Köpfen" zu machen.

Dafür will Rheinsberg, der kleine und heimliche Vorort von Berlin, am 09.06.2001, dem "langen Tag der Jugend", eine "Blade night" starten.

Keine Fortsetzung
der "Blade Night Berlin"

Skater-Demo entfällt in diesem Jahr

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BERLIN. Die "Blade Night Berlin" als größte Skater-Demonstration der Welt wird es in diesem Jahr nicht mehr geben. Es sei nun Zeit, die Ziele der Veranstaltung mit anderen Mitteln zu verfolgen, teilten die Organisatoren mit. Die Versammlung, die im Sommer regelmäßig zwei Mal im Monat jeweils bis zu 50000 Skater auf die Straßen der Hauptstadt gelockt hatte, dürfe nicht zur"Love Parade der Skater" mutieren. Schließlich sei die "Blade Night" immer eine verkehrspolitische Idee und nie Selbstzweck gewesen. Es sei darum gegangen, dass Skates als Verkehrsmittel wahrgenommen werden.

Für die mindestens 100000 Skater in der Hauptstadt war dies die schlechte Nachricht des Tages. Denn auch wenn die Erfinder der Demo - darunter der Rechtsanwalt Jan-Philipp Sexauer - eine politische Forderung mit der Massenbewegung verknüpften, galt zahlreichen Freizeitrollern die "Blade Night" als reiner Feierabendspaß.

Es war jedes Mal ohrenbetäubend: Ein Sausen und Brausen legte sich über die Mitte der Stadt, wenn zigtausend Menschen auf einmal an der Siegessäule in die Rollen stiegen. Dabei fing das Spektakel, das bald in anderen Städten kopiert wurde, ganz klein an. Die erste "Blade Night" startete am 27. Mai 1998 mit 30 Teilnehmern. Im Jahr 2000 versammelten sich dann regelmäßig bis zu 50000 Menschen. Doch der Sommer-Alltag ließ auch Autofahrer stöhnen und Politiker debattieren, denn die Nacht der Blader legte den Kern der Hauptstadt länger lahm als jede Kolonne eines Staatsbesuchs. Denn die Demo führte über große Straßen vorbei an Reichstag, Kanzleramt, durchs Brandenburger Tor und über den Pariser Platz. Für Autofahrer bedeutete das bis zu 45 Minuten Stillstand im Angesicht des sehr langgestreckten Skaterkorsos.

Politiker zweifelten zwar prompt den politischen Charakter der Kundgebung an, doch der Anmelder gab sich als gewiefter Jurist kompromissbereit und änderte außerdem regelmäßig die Strecke. Zudem, so schien es, wollte die Hauptstadt wohl auch nicht provinziell wirken - schließlich rollen die Skater beispielweise in Paris schon seit langem regelmäßig freitags durch die Stadt, und auch Dresden hat keine Probleme mit seinen Rollerfans.

Jetzt muss sich niemand mehr ärgern außer den Skatern. Von ihnen fordert Veranstalter Sexauer künftig auch eigenes Engagement: Sie sollten doch einfach in Gruppen durch die Stadt sausen. Und den Politikern, die im Vorjahr über einen Modellversuch beraten hatten, wonach sonntags die Straßen für Skater geöffnet werden könnten, erklärte er vor seinem Rückzug: "Sollte die Situation im Jahr 2001 nicht verbessert werden, kommen wir wieder."

DPA: KATJA BAUER

©Schulnetz Rheinsberg 2001
©Text und Bild: Märkische Allgemeine vom 19.03.2001, S.V1:
Website: Stephan Schulz, Stufe 12; 31.05.2001