Meldungen über neue Wanderwege interessieren den Inline-Skater auf seine Art. Der Trendsport wird nicht nur auf einer Skaterbahn ausgeführt. Viele Fitness-Skater üben nämlich eine besondere Form des Wanderns aus: Was andere per Pedes oder per Rad tun, gestalten sie mit ihrem Sportgerät. Darum lockte natürlich auch die folgende Überschrift, den Artikel ganz zu lesen:
Märkische Allgemeine vom 14.11.2000, S.17 (Ruppiner Tageblatt): Rund um den Wutzsee wird ein Wanderweg angelegt. Die Bauarbeiten werden zu einem Großteil gefördert. Nach einem Foto von Neuer Wanderweg Lindow pflastert Pfad um den Wutzsee LINDOW. Rund um den Wutzsee können Touristen bald auf einem gepflasterten Weg wandern oder Rad fahren. Seit Mitte September lässt die Stadt Lindow einen sieben Kilometer langen Rad- und Wanderweg anlegen. "Damit wird die Stadt ein weiteres Stück touristisch erschlossen", sagt Jörg Hegernann vom Bauamt des Amtes Lindow. Bis Ende nächsten Jahres soll der gesamte Weg fertig sein. Die Kosten dafür belaufen sich auf 1,7 Millionen Mark. Davon bezahlt die Landesinvestitionsbank des Landes Brandenburg 1,34 Millionen Mark Die Stadt selbst muss für das Vorhaben 354 000 Mark aufbringen. Weitere 187 000 Mark steuert das Arbeitsamt zu. Der für den Tourismus in der Drei-Seen-Stadt wichtige Weg wird über Vergabe-ABM gefördert. Die Bauarbeiter werden praktisch vom Arbeitsamt bezahlt. nk
PETER GEISLER
Na gut, dachten wir uns, da steht ja dann wohl bald ein Test an! Rad- und Wanderwege gibt es schließlich etliche - aber an so etwas Exquisites wie einen befestigten Weg um einen See hat noch keiner gedacht (außer uns - wir hatten uns vorgestellt, irgendwann 'mal um den Kyritzer Obersee skaten zu können, als wir die Wanderwege in Kyritz testeten). Nur vom Pflaster waren wir nun nicht gerade begeistert - Bitumen wäre uns da lieber gewesen. Aber nicht gleich meckern - erst 'mal schauen! (Obwohl die Kommunalpolitiker in die Planung solcher Vorhaben durchaus auch 'mal Skater einbeziehen sollten. Geredet wird ja schon viel davon, dass man solche Anlagen auch für die Skater schaffen würde - aber Skater 'mal mitreden lassen vor der Fertigung solcher "Geschenke", darauf ist noch keiner gekommen!)
Eine Woche später stand dann ein bitterböser Leserbrief in der MAZ:
|
Märkische Allgemeine vom 22. 11. 2000 Seite 16 (Ruppiner Tageblatt): Leserbrief zum befestigten Wanderweg um den Wutzsee Ein Schildbürgerstreich der Lindower Von einem befestigten Wanderweg um den Wutzsee wird schon lange geredet, fast jeder hat spekuliert, wie soll dieser wohl aussehen (Recyclingmaterial und so weiter). Doch als ich heute morgen die Zeitung aufschlug, sah und las, der Wanderweg wird gepflastert, glaubte ich mich im falschen Film. Einen Fahrradweg bauen zu lassen, damit die Kinder und Erwachsenen, sicher vorm Straßenverkehr, von einem Ort zum anderen gelangen, ist eine gute Sache. Aber einen See zu umpflastem eine ganz andere. Hat schon jemand etwas von einem gepflasterten Wanderweg gehört? Vielleicht wird dann auch demnächst der Rennsteig in Thüringen gepflastert, nur weil es dafür Fördermittel gibt Und die wanderfreudigen Touristen wollen lieber auf gepflastertem Untergrund wandern? Dann brauchen sich die so geliebten Touristen keine Wanderschuhe mehr mitzubringen. Dann wird vielleicht nach Lindows Vorbild auch bald der Bayrische Wald, der Schwarzwald, Harz und so weiter gepflastert. Ich kann nur sagen, wenn wir Amtsgemeinden 2002 zur "Ehe" mit Lindow gezwungen werden (laut Herrn Innenminister Schönbohm), können wir uns heute schon warm anziehen. Schildbürgerstreiche hat sich Lindow schon mehr als genug geleistet. Siehe Glaskasten (Tourismuspavillon), der den Blick auf den Marktplatz und Wutzsee versperrt, ganz von der Architektur zu schweigen. Wenn sich Lindow solche Schnitzer leisten könnte, hätte ich gerade noch Verständnis dafür. Aber Lindow braucht jeden Urlauber. Zum Glück wurden nicht alle Hirngespinste in die Tat umgesetzt, ich denke an das Anstauen des Wutzsees. Die 354 000 Mark Eigenmittel der Stadt könnten weit besser angelegt werden (siehe Jugendklub, eine qualitative Aufwertung des zweiten Freibades, Schaffung von Parkplätzen, der Platz der Einheit rund um das OdF-Denkmal sollte unbedingt umgestaltet werden). So etwas springt jedem, auch Nicht-Lindowern, sofort ins Auge. Nur den Stadtverordneten nicht. Diese wandern lieber gepflastert. Brunhilde Schaefer, Strubensee AG Schulnetz RheinsbergFür das Internet bearbeitet von: Kathleen Strauch Letzte Bearbeitung am: 22. 11. 2000 |
Aber, aber Frau Schäfer, sehen Sie das nicht ein bisschen eng? Für Ihre Wanderstiefel dürfte es doch wohl noch genügend unbefestigte Pfade rund um den Wutzsee geben! Wie wir eingangs bemerkten, gibt es ja auch noch andere Arten zu wandern. Wir finden die Idee mit dem befestigten Wanderweg hervorragend!
Leider meldete sich kurz darauf das Amt mit einem Dementi in der MAZ, das beinhaltete, die Pflasterung würde nur im Stadtbereich stattfinden. Schade, schade, dann wird es doch wieder nur eine Sandpiste geben, die bald vermatschen und zuwachsen wird. und das für 1,7 Millionen Mark! Für dieses Geld hätte so manche kleine Firma eine 1a Bitumenpiste gebaut! Und dann hätten die Lindower Skater und ihre Gäste mit den anderen Wanderern gemeinsam die Naturschönheiten um den Wutzsee genießen können. Traum ade, du warst so schön - aber eben nur eine Seifenblase!
Nun, vielleicht können es die Leute vom Amt Temnitz beim zweiten Anlauf etwas besser, wenn sie ihren Rundwanderweg bauen!
Märkische Allgemeine vom 14.11.2000, S.17 (Ruppiner Tageblatt):
Rundwanderweg vorerst gescheitert
Neuer Anlauf in anderer Form 2001
TEMNITZQUELL. Der geplante Rundwanderweg zwischen den Gemeinden des Amtes Temnitz mit Schwerpunkt in Temnitzquell wird in diesem Jahr nicht mehr begonnen. Den Gemeindevertretern wurde während ihrer Sitzung am Montagabend mitgeteilt, dass der Fördermittelantrag vom Amt für Flurneuordnung und ländliche Entwicklung abgelehnt wurde.
Allerdings im gegenseitigen Einvernehmen mit dem Förderderverein Temnitzkirche, die Vorarbeiten für den Wanderweg realisieren sollte. "Der Verein war zu sehr mit der Expo beschäftigt", erklärte Bürgermeister Helmut Braun.
Nun soll im kommen Jahr noch einmal versucht werden, den Rundwanderweg in abgespeckter Form zu realisieren.
Schulnetz Rheinsberg
Märkische Allgemeine vom 04.05.2001, S. 15 (Ruppiner Tageblatt): Erste Löcher im neuen Rad- und Wanderweg Auch Reiter beschädigen Bauwerk am Lindower Wutzsee LINDOW. "Es gibt Leute, die haben keine Achtung vor dem Eigentum anderer." Was Lindows Amtsdirektor Peter Hortig auf die Palme bringt, sind die Schäden, die Vandalen sowie unbedachte Zeitgenossen auf und am neuen Rad- und Wanderweg um den Wutzsee angerichtet:haben. Laut Lutz Brandes, Bauleiter der Verkehrsbau Union (VBU), werden die Reparaturarbeiten tausende von Mark verschlingen. Bei einer Ortsbesichtigung machten sich die VBU und Bürgenneister Dieter Eipel gestern über das Ausmaß der Schäden ein:Bild. "Unterhalb der Sportschule und nahe des Granseer Weges haben Reiter mit ihren Pferden die Wegedecke aufgerissen", so Eipel. Und am Baumgartner Fließ hätten Motorradfahrer ihre deutlichen Spuren auf einem Teilstück des 1,3 Millionen Mark teuren Weges hinterlassen. Der Stadtchef ärgert sich noch mehr über die angekokelte Schutzhütte am Stolzblick. "Dort sind Baumstämme herangeschleppt und angezündet worden." Außerdem habe man versucht, Teile der Dachpappe abzureißen. Eine neue Schutzhütte kostet 8000 Mark. "Wenn ich meine Leute jetzt noch in den Wald schicke, um die Wegedecke zu reparieren, kommen bestimmt noch einmal rund 7000 Mark dazu", ärgert sich Lutz Brandes. Für die Kosten muss die VBU aufkommen, denn der Weg wurde noch nicht abgenommen. "Irgendwann sind wir nicht mehr in der Gewähr. Dann hat Lindow die Zeche zu bezahlen", befürchtet Brandes.
Laut Dieter Eipel seien der Stadt die Hände gebunden. "Man kann nicht überall Wachen aufstellen. Aber ich appelliere an jeden Bürger, pflegsam mit unseren Anlagen umzugehen, denn hier sind Steuermillionen verbaut worden." Es sei zum Schaden aller, wenn die Infrastruktur zerstört und dadurch die Touristen abgeschreckt würden. wit
Und noch ein Kommentar: Es ist traurig, was da geschehen ist. Wie sehr freut sich jeder, wenn wieder etwas Schönes fertig geworden ist. Diesmal war es sogar schon vorher kaputt. Auch wir in Rheinsberg können vom Missbrauch der Rad- und Wanderwege ein Liedchen singen. Allerdings sind sie bisher noch nicht in dieser Weise zerstört worden, weil sie nicht mit Sand sondern mit Bitumen gebaut worden sind. Eine Bitumenpiste hätte jedenfalls die Lindower vor diesem Schock bewahrt. Und sie hätte auch in Lindow das Angebot an reizvollen Pisten für Fitness-Skater verbessert. Das klingt vielleicht wie ein "Ätsch!" - soll es aber beileibe nicht sein. Und wir sind froh darüber, dass wir die Sandpiste gar nicht erst mit Inline-Skates getestet haben, sonst hätten wir uns vielleicht noch im Kreis der Vandalen wiedergefunden. Wie man auf so eine verrückte Idee kommen kann, eine Erdbefestigung mit Inline-Skates zu befahren? Nun, in Neuruppin baut man in den Wallanlagen solche Erdwege, die auch den Druck der kleinen Rollen aushalten können. Glücklicherweise sind das aber nur Verbindungsstrecken und keine ganzen Pisten.
Was haben wir Rheinsberger gemacht? Wie das Bild zeigt, wurden Hindernisse aufgebaut - auch nicht gerade billig - und kreuzgefährlich für Gruppenfahrten! Aber die Radfahrer, Fußwanderer und Inline-Skater auf den Wanderwegen sind geschützt vor einer Begegnung mit einem "Rennauto" - die Wege sind's ohnehin durch das Material Bitumen, aus dem sie gebaut sind. Schade Herr Eipel - wir sind zwar sauer, dass wir den Weg um den Wutzsee nicht mit Inline Skates befahren können - aber so eine Gemeinheit, wie sie auf dem Wutzsee-Weg geschehen ist, können wir nur verurteilen. Und was die Reiter auf den Rad- und Fußwegen betrifft: Das können doch nur blöde Trendsetter - aber keine Tierfreunde - sein! Schulnetz Rheinsberg. |